Ist Tesla auf dem Weg zum großen Automobilhersteller?

Tesla polarisiert: Das US-amerikanische Unternehmen gilt als Pionier bei der Entwicklung und Produktion von E-Autos und beschäftigt sich in diesem Zusammenhang zudem intensiv mit Techniken für Stromspeicherung und Fotovoltaik. Während Plus und Minus für den Stromkreis unerlässlich sind, ist die öffentliche Meinung bei Tesla eher gespalten. Vergleichbar wohl nur mit Apple-Nutzern und sogenannten Fanboys gibt es bei Tesla Kunden, Aktionäre und wohlgesonnene Journalisten, die jedes Wort von Tesla-Chef Elon Musk mit Applaus bedenken. Auf der anderen Seite finden sich Skeptiker, die immer wieder darauf hinweisen, welche Versprechen Tesla auf dem angestrebten Weg zum großen Automobilhersteller nicht hat einhalten können. Wer hat recht bei dieser Diskussion?

Tesla überrascht aktuell mit positiven Nachrichten

Anfang Juli meldete Tesla, erstmals die schon seit geraumer Zeit anvisierte Marke von mehr als 5.000 pro Woche produzierten Autos erreicht zu haben. Im Mittelpunkt dieser Nachricht steht das Modell Tesla Model 3, das als für Normalverbraucher bezahlbarer Mittelklasse-Wagen den Markt für E-Autos beherrschen soll. Die Geschichte hat allerdings zwei Haken: Zum einen hat Tesla für zusätzliche Produktionskapazitäten Zelte nahe seiner eigentlichen Fabrik aufgebaut und muss offensichtlich noch viele Arbeitsschritte von Hand erledigen, die eigentlich preisgünstig von Industrierobotern zu erledigen wären. Und zum Zweiten konterte der Europa-Chef von Ford, Steven Armstrong, die Nachricht süffisant. Als Elon Musk für Tesla euphorisch twitterte, "7000 Autos, 7 Tage", und diesen Tweet mit Herzchen an das Tesla-Team verzierte, antwortete Armstrong für Ford trocken: "7000 Autos, circa 4 Stunden" und bedankte sich ebenfalls mit Herzchen bei seinem Team. Diese aktuelle Anekdote macht deutlich: Von einem sogenannten Volumenhersteller in der Automobilbranche ist Tesla noch weit entfernt.
 

Mehr als 420.000 Vorbestellungen für Tesla Model 3

Wer tiefer die Analyse von Tesla einsteigt, stößt auf wichtige Fakten. Mit mehr als 420.00 Reservierungen für das Tesla Model 3 sitzt das Unternehmen auf einem sicheren Berg von Aufträgen. Da diese Vorbestellungen kostenpflichtig waren, sind sie kaum als Marketing-Gag einzustufen. Kein anderes E-Auto hat auch nur annähernd so viele Kaufinteresse angelockt. Tesla gilt mittlerweile als Synonym für E-Autos, allein der Wert des Markennamens wird auf mehrere Milliarden US-Dollar geschätzt. Und wenn Fachportale wie Home & Smart das Tesla Model 3 testen, gibt es regelmäßig Bestnoten. Reichweitenstärke, ausgereifte Technik, modernes Design, sportlicher Fahrspaß und hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis sprechen aus Sicht von Fachleuten dafür, beim Kauf eines E-Autos das Tesla Model 3 zu wählen. Neben dem Mittelklassemodell bietet Tesla mit dem Model S und Model X jeweils einen Wagen der Oberklasse und einen SUV an, die umweltfreundlich mit Strom fahren.
 

Positive Aussichten für Tesla

Ob es Tesla tatsächlich gelingt, in die Riege großer Automobilhersteller wie Ford, VW oder BMW aufzusteigen, dürfte von mehreren Faktoren abhängen. Hohe absolute Zahlen von produzierten Pkws sind nur mit Massenmodellen zu erreichen. Das Tesla Model 3 ist dafür geeignet, doch noch steht nicht fest, ob Tesla seine Probleme bei der Massenproduktion in den Griff bekommt. Auch ist weiter schwer abzusehen, wie groß der Markt für reine E-Autos überhaupt wird. Zumindest in Deutschland handelt es trotz Unterstützung durch Umweltprämien bei E-Autos um einen Nischenmarkt. Realistisch scheint derzeit die Prognose, dass Tesla ein großer Automobilhersteller in dem Sinne wird, wie es Porsche vorgemacht hat: Mit fortschrittlicher Ingenieurskunst ein wichtiges Segment auf dem Automarkt zu beherrschen - das scheint Tesla zuzutrauen zu sein. Diese Aussicht widerspiegelt sich auch im Aktienkurs von Tesla.
 
Bild: pixabay.com © Blomst (CCO Public Domain)


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